Emka 29

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Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die Emka 29 wurde im Jahre 1979 gebaut. Die Werft existiert nicht mehr. Ausserdem wurde sie auch als "Kasko" verkauft, daher gibt es verschiedene Ausführungen.



Lieber Leser, diese Beiträge zur Emka 29 HT habe ich verfasst, weil ich mehrfach um Auskünfte gebeten wurde. Zukünftig kann ich auf diese Darstellung verweisen. Ich fühle mich einigermaßen kompetent, da ich mein Boot seit 1997 nutze. Es ist ein schönes Exemplar, hat mir viel Freude bereitet und sich in Wind und Wetter bestens bewährt. Die Emka 29 HT´s wurden um 1979 im gehobenen Stand der damaligen Bootsbautechnik gefertigt. Meine Emka, Baunummer 4, wurde wahrscheinlich vom Hersteller ausgebaut. Vielfach, nicht zuletzt wegen des Konkurses der Firma Kerner-Yachtbau wurden aber Rümpfe zum Selbstausbau ausgeliefert. Das bedeutet große Variabilität, auch im Pflege - und Erhaltungszustand des Bootes. Viele Detailausstattungen habe ich beobachtet: Mit Skeg und ohne, Selbstwendefock, Rollgenua, durchgelattetes Großsegel, Türen zur Kajüte oder Steckschott, Decksbeläge, Verlängerungen vorn oder achtern uvam. Ich bin kein Kenner der Emkas insgesamt, kann also nur meine Sicht beschreiben.

Der Rumpf: - ist kräftig laminiert, durch Gewicht und Form als Verdränger konzipiert. Mit 8,60 m Länge und 2,70 m Breite ist das Boot geringfügig schlanker, als man diese nach IOR später baute. Der Kompromiss mit dem gemäßigten Kurzkiel entspricht dem derzeitigen Erkenntnisstand. Alle Durchlässe sind sorgfältig eingearbeitet und mit hochwertigen Absperrventilen versehen. Das vorbalancierte Ruderblatt hinter einem Skeg hat eine geneigte Achse und ist vermutlich etwas zu klein. In der Seitenansicht wirkt das Boot schnittig, da der Kajütaufbau flach gehalten ist. Dennoch ist drinnen Stehhöhe (bei 1,80m). Durch den flachen Aufbau sind die getönten Plexiglasscheiben schmal - ein Sicherheitkriterium. Vorn ist ein großer, soliderAnkerkasten eingebaut, der auch z. B. die Fender aufnehmen kann. Davor ist der Stutzen für Frischwasserbefüllung und der einlaminierte Tank ganz vorn unter den Kojen. Rund um das Deck ist eine schwarz eloxierte Aluminium-Schlitzlochschiene angebracht, praktisch und noch heute zeitgemäß. Die Relingsstützen haben eigene Füße. Zusammen mit dem soliden Bug- und Heckkorb bilden die 2 Durchzüge gute Sicherheit. Positiv hervorzuheben ist die Ausstattung mit großen Vetus-Klampen.

Kajütbereich: Absolut konventionell. Im Holzlatten-verkleideten und mit Leselampen versehenen Vorschiff können zwei kurze Personen schlafen. Unter den Kojen ist viel Platz für leichte Sachen. Nach achtern schließt sich an Bb ein sehr durchdachter Sanitärraum an. Pump-WC (aufgrund Alter und Größe des Bootes nach neuester Gesetzgebung erlaubt), verschiebbares Waschbecken, Fußpumpe für Frischwasser, sehr großer Schrank für Sanitärartikel. Gegenüber an Stb ein Fächer- und Kleiderschrank. Hinter dem Hauptschott befindet man sich im Salon. L-Sofa und solider, absenkbarer Tisch an Bb gestatten einen Doppel-Schlafplatz, die Sitzbank an Stb ist dafür zu kurz. Unter allen Bänken ist Stauraum, auch gibt es in Brusthöhe viele Fächer, teils offen, teils mit Schiebetüren versehen. An den genannten Bereich schließt sich an Stb der Platz für Navigation an. Kartentisch, GPS, Echolot, Besteck, elektrische Verteilung, V und A-meter, Schalter und Sicherungen (die üppige Kajütbeleuchtung ist auf 3 verschiedene Schalter verteilt). Radio. Das Bediengerät für UKW-Seefunk ist aus dem Cockpit heraus gut zu erreichen. Hauptschalter. Die Hundekoje ist geräumig und praktisch, auch ein idealer Stauraum, da diese Dinge bei Lage nicht weit übergehen können. In den Kästen darunter 2 Akkus je 90 Ah, gut zugänglich und in eigenen Kästen. An Bb gegenüber befindet sich die Pantry mit Kocher (bei mir Spiritus, Electrolux) im eigenen Fach, viele Staufächer für Pütt und Pann und einem isolierten Kühlfach, die Spüle mit Fußpumpe für das Frischwasser. Im achteren Teil der Kajüte, also unter dem Ausstieg ins Cockpit kann man eine Wand wegnehmen und hat dann vor sich den

Motorraum: Auf soliden einlaminierten Podesten steht der Motor auf schwingungsabsorbierenden Füßen, in meinem Fall ein 1-Zylinder-Ruggerini mit 12 PS, Wendegetriebe und einer konventionellen, ölgeschmierten Welle mit 2-flügeligem Propeller. Unterwärts ist eine Leckwanne. Der Raum ist beleuchtet. Sehr praktisch ist die fest angebaute Ölpumpe. Natürlich sind von hier auch Ölfilter und Kraftstofffilter zugänglich. Der 40-L-Dieseltank befindet sich unter dem Cockpitboden.

Cockpit-Umfeld: Das Cockpit ist groß und bequem zum Sitzen. Zum schnellen (selbst) Lenzen sind an der Vorderkante zwei große Öffnungen mit starren Rohren fest anlaminiert. Eine Holzgräting am Boden verdeckt die Lenzer ein wenig, sieht gut aus und hält die Füße trocken. Die Sitzbänke sind teilweise klappbar und geben den Zugang für eine riesige Backskiste an Bb - und eine flachere an Stb frei. In die Bb-Backskiste kann man einsteigen, ein Schott wegnehmen und hat den hinteren Bereich des Motors, das Getriebe und die Wellendurchführung vor sich. Es passen leicht 2 Fahrräder, Festmacher, Schoten, Ankerbojen, Pützen usw. hinein. An Stb habe ich Reservere-Diesel-Kanister, Fenderbrett, Petroleumheizung, Werzeugkasten, Angelzeug, Putzmittel und derartiges untergebracht. Auf dem Süll sind im richtigen Winkel die Selftail-Schotwinchen Lewmar 30 verankert und weiter hinten kleinere Spischotwinchen. Alle Winchen an Bord haben ein einheitliches Kurbelmaß. Der Kajüteinstieg, verschlossen mit 2 Steckschotten und einer Schiebekappe ist asymetrisch zur Bootsachse angeordnet, so dass daneben, oberhalb der Pantry, ein kleines zu öffnendes Fenster und der Steuerkompass Platz hat. Der Bereich wird durch ein Sprayhood mit 2 Niro-Bügeln geschützt. Vor dem Kajüteinstieg ist das Brückendeck und in dieses über die gesamte Breite der Großschottraveller eingelassen. Auf dem hinteren Süll des Cockpits ist normalerweise der Heckkorb angebracht. Meine Emka ist jedoch von professioneller Hand um ca. 40 cm verlängert worden. Am zurückgesetzten Heckkorb habe ich über die Ecken praktische Sitzbänke angebracht. Feststoffweste, Flaggenstockhalterung, GPS-Antenne haben am Heckgestänge ihren Platz und am Bootsheck ist eine klappbare Badeleiter. Motorpanele, 1-Hebel-Schaltung, Lüftungen, Halterung und Steckdose für Autopilot und Silva-Log sind gut erreichbar angeordnet.

Rigg und Segel: Das Rigg ist so kräftig ausgeführt, dass ein Mastbruch nahezu ausgeschlossen ist. (Meine Kasko-Versicherung hat mir nach Erläuterung einen Sonderrabatt eingeräumt.) Der schwarz-eloxierte-Alu-Mast (von Emka-Mastbau) hat ein kräftiges Profil. Über T-Terminals sind die Wanten eingehängt. Insgesamt wird der Mast von 9 Drähten gehalten (doppeltes Vorstag). Das Achterstag ist über ein Klapprad trimmbar. Meine Wantenspanner haben ein Feingewinde, nicht allzu häufig, aber wegen der geringeren Steigung macht das Sinn. Der Mast dreht mit einem starken Nirobolzen im Koker und kann so aufgerichtet werden. Die Großwanten haben deshalb am Pütting ein Distanzrohr, welches genau im Drehpunkt endet. Vorderkante Mast ist eine Spibaumschiene angebracht, der zugehörige Spibaum kann hier dauerhaft gefahren werden. Winchen, Fallaustritte und Klampen sind gut durchdacht angebracht, ebenfalls am Großbaum und die Refftechnik. Das laufende Gut läuft, soweit möglich und sinnvoll im Mast. Ein Schamfilen an den Kabeln ist ausgeschlossen, die laufen innen in einem Rohr. Ich habe meine Segelgarderobe vervollständigt um für jedes Wetter gerüstet zu sein: Das Groß hat 12 m2 und 2 Reffreihen; die Genua hat 27 m2; die Fock hat 18 m2 und ist durch das etwas zu große J-Maß eigentlich eine Genua 3; die Starkwindfock hat 12 m2; die Sturmfock hat 4,6 m2 mein Spinnaker hat 55 m2

Bilder und Riss

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Emka 29
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Emka 29
Bild:Sundownerklein.jpg Bild:Deckklein.jpg


Daten und Praxis-Fahrbericht

Länge über alles 8,70 m
Breite 2,70 m
Tiefgang 1,40 m
Gewicht 3 400 Kg
Ballast 1 500 Kg
Großsegel 17 qm
Fock 17 qm
Genua 25 qm
Blister 60 qm
Rumpfmaterial GFK


Segeleigenschaften: Durch das hohe Gewicht und die verdrängende Konstruktion ist die Emka kein Regattaschiff, es sei denn, man wird bei einer Vereinsregatta mit einem guten Rennwert eingestuft. Meine YStZ von 111 ist für den Kenner der Materie aussagekräftig. Die Segel werden am Mast stehend gesetzt. Ich halte das, obwohl ich vorwiegend einhand segle, für sinnvoll und gut. Das Großsegeltuch muß zum Setzen ohnehin gelöst - und das Vorsegel beim Bergen eingefangen werden. Am Wind sollte das Boot bis 5 Beaufort mit Fock gesegelt werden. Die Genua macht die Situation nur unangenehmer und bringt kaum mehr Speed. Auf anderen Kursen kommt die Genua zum Einsatz. Vor dem leichten Wind ist von der Beschlagausstattung her auch Spinnakersegeln möglich. Einhand mache ich das, wegen der Gefahr des Überbordfallens, nicht mehr. Ruderdruck ist bei richtiger Besegelung und wegen des kleinen, vorbalancierten Blattes kaum vorhanden. Deshalb kann man das Boot auch unter Segeln gut mit einer Pinnen-Selbststeuerung fahren. Besonderes Augenmerk sollte man auf den Reffvorgang richten: Ob man die Reffleinen stets eingeschoren fährt oder nicht, vorhanden sind sie mit den richtig plazierten Umlenkblöcken und einer Winch am Baum. Am Hals wird eine der Segelkauschen in Haken am Baumlümmel eingehängt. Dazu sind Rutscher aus der Mastnut zu nehmen. Einem Neueigner sei geraten, darauf zu achten, dass sich das Öffnungs-/Schließblech einwandfrei bedienen lässt. Ein Detail nur, aber ich hatte bei schwerem Wetter aufgrund dessen erheblich zu kämpfen. Bei entsprechendem Wellengang wünschte man sich den Vorsteven etwas höher gezogen - oder mit mehr Auftrieb versehen. Ganz selten kam es mal zum Unterschneiden - aber ohne Gefährdung. Den Frischwassertank sollte man aus dem genannten Grund bei entsprechendem Fahrtgebiet nicht ganz füllen.

Motor-Fahrverhalten: Meine Emka ist untermotorisiert, kommt bei Vollgas nicht auf die Rumpfgeschwindigkeit von 6,9 kn, allerdings auch kaum unter Segeln. Den Verbrauch bei Marschfahrt habe ich mit 0,24 L pro sm - bzw. 1,3 L pro Stunde ermittelt. Das Manövrieren erfordert sehr viel Umsicht und Erfahrung (rechtzeitiges Umsteuern, Winddrift, Propeller-Seitenlauf auf Rückwärts). So 18 PS mit dem richtigen Propeller könnte das Boot schon vertragen. Mit einer Pinnen-Selbststeuerung läuft das Boot kursstetig. Rückwärts läßt sich das Boot gut lenken, natürlich erst nach Fahrt-Aufnahme. Querwind drückt, wie wohl bei anderen Booten auch, vorwiegend den Bug herum.

Allgemeine Charakteristiken: Das feste Rumpflaminat gibt mir ein Gefühl der Sicherheit. Ich kann damit auf eine treibende Palette oder einen Holzstamm auffahren (ist schon passiert), ohne, dass ein Schaden zu befürchten ist. Die Handläufe auf dem Kajütdach wären aus meiner Sicht verbesserungswürdig. Sie bestehen aus ins Kajütdach-geformten "Kufen", die mit einer Holzleiste belegt ist. Besser wäre es, man könnte die Handläufe umfassen. Dann wäre daran auch etwas festzubinden. Ein weiterer Sicherheitsaspekt: Meine Badeleiter ist durch eine Sorgleine aus der Schwimmlage herunterklappbar. Bei Anfertigung des Sprayhoods 2004 wählte ich größere Folienfenster - und ich ließ mir bei dieser Gelegenheit vom achteren Niro-Bügel ausgehend ein Griffrohr über die ganze Breite anschweißen - sehr praktisch und empfehlenswert. Den Mast stelle ich - und nehme ihn weg ohne besondere Hilfsmittel durch Einhaltung eines günstigen "Zureichwinkels". Ein Jüttbaum wäre sinnvoll.

Die Emka befindet sich nicht mehr in meinem Besitz!
gez. ehem. "Sundowner"

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